Autor: Vanessa Eggers

  • Oliver Bottini: „Die Summe aller Dinge“

    Oliver Bottini: „Die Summe aller Dinge“

    Einer der besten Kriminalromane seit Jahren

    Wirtschaftskrimis? Nicht mein Ding. Cum-Ex? Erst recht nicht. Das waren meine Gedanken, als ich die Kurzbeschreibung zu Bottinis neuem Kriminalroman las. Was mir entgangen wäre, wenn ich den Gedanken gefolgt wäre? Ein brillanter Roman! Und jetzt, im August 2026, bin ich mir sicher, dass Bottini dafür den ersten Platz beim Deutschen Krimipreis national bekommen wird!

    Aber zunächst zur Geschichte:

    Da sind Zaid, Freddy und Erik einerseits. Besonders Zaid eine warmherzige Figur, aber gleich zu Beginn begeht er Selbstmord. Dann ist da seine Frau Vera, die kaum fassen kann, dass ihr Mann tot ist. Die Staatsanwältin Molien wiederum ermittelt in der Sache Cum-Ex. In Rückblicken wird die Geschichte von Zaid, Freddy und Erik erzählt, wie diese Drei in die unfassbaren Deals der deutschen Wirtschaftskriminalitätsgeschichte eingestiegen sind. Die Leser*innen erfahren, wie diese Deals funktionierten (und das auch noch wahnsinnig spannend!), und werden auf eine rasante Reise durch Europa geschickt. Keine Längen, keine Abschweifungen, nicht ein unnötiger Satz. Spannung bis zum letzten Satz und das bei einem Thema, das hochaktuell ist.

  • Michael Thode: „Blaues Feuer“

    Michael Thode: „Blaues Feuer“

    Angenommen, es gäbe ein Bakterium, das imstande ist, den Stromverbrauch weltweit drastisch senken könnte. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass ein derartiger Fund zu Machtmissbrauch, Intrigen und Verbrechen führen kann.

    In „Blaues Feuer“ geht es genau darum und die Leser*innen begeben sich auf einem Forschungsschiff auf eine Reise ins Norpolarmeer. Es ist eisig, stürmisch und natürlich sind die Bösewichte nicht weit. Aber an Bord ist der Elitesoladt Yorick, eine wahnsinnig sympathische Figur in diesem Thriller, der die Aufgabe hat, die Forschungsreise zu beaufsichtigen. Auch auf dem Weg sind vier Segler. Die einen mit einer Mission, die anderen, um mehr Praxiserfahrungen im Segeln zu erlangen.

    Und die Zeit rennt, sowohl auf dem Schiff, als auch in Hamburg, wo einer aus dem Forschungsteam zurückgeblieben ist.

    Für Fans von Wissenschaftskrimis mit ein bisschen Sci-Fi.

  • Liz Nugent: „Seltsame Sally Diamond“

    Liz Nugent: „Seltsame Sally Diamond“

    Die Frage, die sich vermutlich den meisten bei diesem Buchtitel direkt stellt ist: Warum ist die Sally Diamond denn seltsam?

    Sally ist eine Frau in den Vierzigern, ihre Mutter ist bereits verstorben, ihren Vater hat sie erst liebevoll gepflegt, aber nun gerade verloren. Der hat ihr gesagt, sie möge ihn mit dem Müll verbrennen, wenn er stirbt. Und das macht Sally , im Garten in der Feuertonne. Damit lenkt sie natürlich Aufmerksamkeit auf sich.

    Und so beginnt auch Sallys Geschichte. Die Leser*innen erfahrnen mehr über Sally und warum sie es nicht laut mag, warum sie im Umgang mit Menschen ungeübt und unbeholfen ist, warum sie es nicht mag, wenn ihr jemand zu nah kommt. Außerdem liest Sally die Briefe, die ihr Vater ihr hinterlassen hat und sie erfährt viel über ihre Vergangenheit. Dinge, die ihr bisher niemand erzählt hat und die erklären, warum sie so „seltsam“ ist.

    Während Sally bis zum Tod ihres Vaters sehr zurückgezogen gelebt hat, trifft sie nun nach und nach auf andere Menschen und muss lernen, mit diesen zu kommunizieren. Aber da sind eben auch die anonymen Nachrichten, die Sally nicht zuordnen kann. Aber sie müssen von jemandem kommen, der sie gut kennt.

    Sally ist eine so warmherzige und sympathische Protagonistin und es ist kaum möglich, sie nicht zu mögen. Man wünscht ihr beim Lesen so sehr, dass sie es schafft, ein normales Leben zu führen.

  • Carolin Frey: „Das Krähenzimmer“

    Carolin Frey: „Das Krähenzimmer“

    Ein toller Debütthriller!

    Vorweg: Es ist kein gewöhnlicher Thriller, den die junge Autorin Carolin Frey da geschrieben hat. Für mich ist es weder ein klassischer Thriller, noch ein Roman, sondern genau dazwischen: ein klassischer Thriller-Roman:-))

    Aber erstmal zur Handlung: Die Hauptfigur ist Lotta, eine junge Frau, die sich von Berlin aus aufgemacht hat nach Geelekow, einem fiktiven Ort in Mecklenburg-Vorpommern, direkt an der Ostsee gelegen. Der Ort ist wie ausgestorben, da November ist und der Ort wohl eher von Feriengästen lebt. Lotta und ihr Freund haben sich getrennt, ist mies drauf, hat aber schöne Kindheitserinnerungen an diesen Ort. Ihr Vater und seine Frau hatten früher ein Haus dort und Lotta hat viele Sommer in diesem kleinen Ort an der Ostsee verbracht. 

    Die Ankunft in Geelekow ist alles andere als schön: Es fährt kein Bus vom Bahnhof aus dorthin, ein Taxi ist auch nicht aufzutreiben und so begibt sie sich zu Fuß auf den Weg. Es ist kalt, ihr Akku fast leer.

    Die Geschichte wäre natürlich eine andere, wenn Lotta nicht heile ankommen würde. Irgendwie kriegt sie es hin und sie mietet sich in dem Haus ein, das sie von damals kennt. Ihr schlägt ab sofort fast nur Eiseskälte der Menschen dort entgegen, was sie aber nicht einordnen kann. Kaum jemand tritt ihr freundlich gegenüber, was natürlich (und hier kommen die thrilligen Elemente) schon bald gefährlich für sie wird. 

    Was hier wirklich spannend ist, ist die Frage, wem sie eigentlich trauen kann und auch, warum die Leute alle so feindselig sind. Lotta ist herzlich, sympathisch und will niemandem etwas Böses. Schon bald fühlt sie sich verfolgt, aber von wem weiß niemand. Das große Haus, in dem sie untergekommen ist, hilft nicht wirklich dabei, sich so richtig wohl zu fühlen.

    Die Geschichte ist spannend geschrieben, aber erzeugt nicht diesen Sog, wie es bei anderen Thrillern oft der Fall ist, was auch dadurch entsteht, dass die Figuren eine Beziehung zueinander aufbauen und die Autorin hier durchaus Raum schafft. Schaurig sind tatsächlich die sehr präzisen Beschreibungen des Ortes, was durch die düstere Jahreszeit noch verschärft wird. Möchte ich dort sein? Ich glaube nicht:-))

  • Vera Buck: „Keine Angst, Darling“

    Vera Buck: „Keine Angst, Darling“

    Wieder einmal ein brillanter Thriller von Vera Buck.

    Das Thema, das sie hier verarbeitet, ist das der sogenannten „Tradwifes“. Ohne jede Wertung, aber durchaus kritisch.

    Die beiden Hauptfiguren sind die Schwestern Paula und Lea. Paula lebt mit ihren drei Söhnen und ihrem Mann in Frankfurt, Lea wiederum in Florida. In den sozialen Medien inszeniert sich Lea als Trad Wife – als traditionelle Hausfrau. Sie backt und kocht den ganzen Tag, lächelt dabei und dreht schöne Videos davon. Eine kleine Tochter ist ebenfalls vorhanden. Paula fällt auf, dass ihre Schwester plötzlich keine Videos mehr hochlädt und macht sich trotz Familienchaos und einer schwierigen Beziehung zu ihrer Schwester auf nach Florida, um nach ihr zu schauen und aus nur wenigen geplanten Tagen werden Wochen.

    Sie trifft auf ein umzäuntes und mit Sicherheitspersonal ausgestattetes Gelände, die „Santa Familia“, und kann von Glück sprechen, dass sie überhaupt Zugang erhält. Lea ist jedoch nicht da, ihr Mann erzählt ihr von einer mehrwöchigen Detox-Veranstaltung, bei der Lea auch nicht erreichbar ist und sie lernt ihre kleine Nichte kennen, die ziemlich verstört wirkt. 

    Lea lässt sich aber von niemandem abwimmeln und beginnt, überall nachzuforschen. Dabei bringt sie sich natürlich in große Gefahr. 

    Vera Buck macht hier ein sehr spannendes Thema auf: Trad Wifes sind Frauen, die sich einem Leben als Ehe- und Hausfrau verschrieben haben. Sie führen tagtäglich ihren Haushalt und halten ihren Männern den Rücken frei. All das natürlich perfekt gestylt, wie es der Mann eben mag. Sie sind überzeugt davon, vollkommen unabhängig zu sein.

    Der Thriller eignet sich gut, wenn man einen rasanten Erzählstil mag und vor allem Geschichten mag, in denen gesellschaftskritische Themen verwendet werden.

  • Marceau Miller: „Das letzte Buch des Marceau Miller“

    Marceau Miller: „Das letzte Buch des Marceau Miller“

    Es geht hier, wie der Titel schon verrät, um Marceau Miller, ein Bestseller-Autor, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Frankreich lebt, auf einem schönen Grundstück direkt am Genfer See gelegen.

    Die Leser*innen erfahren direkt zu Beginn, dass Marceau Miller beim Klettern abgestürzt ist – und nicht nur das: Jemand hat nachgeholfen und Marceaus Hände vom Felsen gelöst.   Wie war das möglich? Marceau liebt das Risiko und ihm war stets bewusst, dass ihm das freie Klettern irgendwann zum Verhängnis werden könnte. Wer dieser Jemand ist, der da nachgeholfen hat, erfahren die Leser*innen natürlich nicht. 

    Ein Brief, den Marceaus Frau Sarah nach seinem Tod erhält, bringt sie dazu, ihrem Instinkt zu vertrauen und dem angeblichen Unglück nachzugehen. Sie erkennt sehr bald, dass sie niemandem trauen kann, lässt aber nicht locker. Gemeinsam mit einem langjährigen Freund begibt sie sich auf eine rasante Suche nach der Wahrheit. Die Handlung steht dabei in einem starken Kontrast zu diesem wunderschönen Ort am Genfer See. Überall lauern Lügen und Intrigen.

    Der Thriller eignet sich für all diejenigen, die zwar Spannung mögen, aber keine brutal erzählten Szenen. Ich würde es als eine Mischung zwischen einem Thriller und einem Roman beschreiben.